Der EU-Gipfel zur Schuldenkrise kann als Erfolg verbucht werden. So haben die Euroländer einen Schuldenerlass für Griechenland in Höhe von 50 Prozent durchgesetzt. Allerdings bleibt der Euro Franken Wechselkurs unter seinen Möglichkeiten. Aktuell notiert der Eurokurs bei 1,2230 CHF und ist ein gutes Stück entfernt von seinem Fünf-Monats-Hoch. Am 19. Oktober 2011 kletterte der Währungskurs auf EUR/CHF 1,2472.
Neben dem griechischen Schuldenschnitt standen der Rettungsschirm (EFSF) und die Banken auf dem EU-Gipfel im Mittelpunkt. Beim EFSF kommt es zu dem Versicherungsmodell, wodurch sich die Feuerkraft auf eine Billionen Euro erhöhen wird. So kann der Rettungsschirm bei der Begebung neuer Staatsanleihen von klammen Euroländern wie Italien und Spanien zukünftig 20 Prozent des Ausfallrisikos übernehmen.
Die Banken im Euroraum haben zugesagt ihr Kernkapital bis zur Jahresmitte 2012 auf neune Prozent hochzuschrauben. Die Geldhäuser waren zunächst nicht bereit Griechenland 50 Prozent seiner Schulden zu erlassen. Allerdings haben die Banken schließlich eingelenkt, weil Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Sarkozy mit einem offiziellen Zahlungsausfall Griechenlands drohten. In einem solchen Szenario hätten die Banken ihre griechischen Staatsanleihen zu 100 Prozent abschreiben müssen.
„Auch bei einem Eurokurs von 1,20 CHF ist man weit von der Kaufkraftparität entfernt“, sagte der Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Allerdings gebe die Wechselkursuntergrenze den eidgenössischen Unternehmen eine gewisse Planungssicherheit. Die Schweizer Wirtschaft befinde sich zwar in einem schwierigen Umfeld. Allerdings sei eine Rezession unwahrscheinlich, so Schneider-Ammann.
Volkswirte erwarten für das laufende Jahr eine Erhöhung des schweizerischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von +1,9 Prozent. Für das nächste Jahr gehen Ökonomen von einem BIP-Anstieg um +0,8 Prozent aus. Ein fairer Euro Franken Wechselkurs, welcher die Kaufkraftniveaus beider Währungsräume adäquat widerspiegle, liege zwischen EUR/CHF 1,35-1,40, sagten die meisten Devisenexperten.